Heute Morgen (Samstag, 6.Juni) gegen 7 Uhr hat der Außen-Umsonstladen gebrannt. Dabei ist ein großer Teil der Dinge darin aber auch drum herum abgebrannt. Das Feuer wurde zum Glück schnell entdeckt und gelöscht, sodass es zu keinen größeren Schäden kam. Allen Bewohnenden geht es gut.
Wir bedanken uns bei unseren Nachbar:innen, die aufmerksam waren und die Feuerwehr gerufen haben. Selbstverständlich auch bei der Feuerwehr, die uns half, den Brand vollständig zu kontrollieren und mit Beratung die Gesundheitsrisiken für die Bewohnenden zu minimieren.
Ein Brand im Umsonstladen – was bedeutet das?
Der Umsonst-Laden im Haus sowie der Außen-Umsonstladen sind Räume der Nachbarschaft. Sie gehören uns allen. Hier wirken viele Menschen aus dem Viertel mit: sei es, um Dinge abzugeben, abzuholen oder ihn aufzuräumen und Instand zu halten. Es ist ein gemeinschaftliches Projekt und ein Raum, in dem sich die Nachbarschaft einbringen, organisieren und gemeinsam Verantwortung übernehmen kann. Ein (Brand-)Angriff auf den Umsonstladen ist nicht nur ein Angriff auf uns als Bewohnende der Ludwigstraße 15, sondern auch auf unsere Nachbarschaft / Community / Gemeinschaft!
War es Brandstiftung?
Es ist unklar, was der Grund für den Brand ist und ob es sich um einen vorsätzlich gelegten Brand handelt. Das sieht auch die Feuerwehr so. Brandstiftung ist aber sehr realistisch, denn der Umsonstladen fängt nicht von allein an zu brennen, vor allem mit feuchter Kleidung darin.
Das Motiv der mutmaßlichen Brandstiftung ist unklar aber: ob durch betrunkene Fahrlässigkeit oder ein mit Absicht gelegtes Feuer, der Schaden ist passiert. Ein Feuer in einem Umsonstladen ist immer politisch. Es ist ein Angriff auf eine lebendige, sich selbst unterstützende Nachbarschaft. In dem Aktuellen politischen Klima trifft so etwas besonders hart. Auch wenn wir über das potenzielle Motiv nur spekulieren können, ist die Sorge im Viertel sehr spürbar. Ein Anstieg der Rechten Gewalt ist auch in Tübingen klar zu erkennen. Nachbar:innen fragen ob wir schon wissen, wer das Feuer gelegt hat,-sind erschrocken, dass so etwas passieren kann.
Was wir aber auch klar erkennen können, ist die Solidarität in unserer Nachbarschaft. Während dieser Text geschrieben wird, tauchen immer mehr Menschen hier auf. Bekunden ihre Wut über das geschehene oder bieten Unterstützung an. Es tut gut zu sehen, dass uns solche Ereignisse zwar erschüttern aber uns auch zusammenbringen. Gemeinsam werden wir den Ula wieder aufbauen!
Ein Brandanschlag ist kein Scherz:
Ein Brandanschlag ist keine Lappalie, kein Streich, kein nachbarschaftlicher Scherz, sondern extrem gefährlich. Zum Glück wurde das Feuer entdeckt, bevor es auf das Haus übergegriffen hat oder durch ein Windstoß auf andere Häuser in der Nachbarschaft übergreifen konnte. Zum Glück wurden Bewohnende früh genug geweckt, bevor sie an dem hereinziehenden Rauch ersticken konnten. Das Feuer hat das Leben von Menschen und Tieren gefährdet. Wenn dieses Feuer absichtlich gelegt wurde, wurden diese Leben leichtsinnig in Kauf genommen.
Und die Cops?
Die waren natürlich auch da, und auch nicht in geringer Zahl. Als Freund und Helfer wohl kaum. Als erste vor Ort aber nicht wirklich hilfreich, sahen sie von der anderen Straßenseite zu. Erst als das Feuer eingedämmt war, bewegten sich die Beamten zu uns. Einer beschloss nun doch einen Feuerlöscher aus dem Auto zu holen und die anderen befragten umstehende Passanten. Wiederholt wurden wir zu dem entstandenen Schaden befragt, die Hand routiniert auf dem Schlagstock abgelegt, noch bevor die Feuerwehr die Schades Aufnahme abgeschlossen hatte.
Die Feuerwehr schätzte das Risiko der Verrußung recht hoch ein, weshalb es sehr wichtig wurde zu überprüfen, ob es allen noch schlafenden Personen gut geht. Bei einem Zimmer mit erhöhten Rauch Risiko, war das leider durch eine verschlossene Tür nicht ganz sicherzustellen, ob Person einfach nicht zu Hause war oder ob die Antwort wegen Rauchvergiftung ausbleibt. Die Polizei bestand darauf die Feuerwehr beim Öffnen der verschlossenen Tür & der Sicherung des Raums zu begleiten, auch als wir anboten die Tür selbst zu öffnen. Die Handschuhe vorsorglich angezogen schoben sich die beiden Beamten unerlaubt durch die Tür, 2 Minuten später direkt die nächsten beiden. Es gelang, die 4 Cops wieder rauszuschicken, die Zimmertür wurde von Bewohnenden selbst geöffnet. Zu Glück war die Bewohnende Person zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause. Von Unterstützung und Hilfe kann hier keine Rede sein, stattdessen wirkten sie wie üblich bedrohlich.
Wie geht’s weiter?
Selbstverständlich bauen wir den Umsonstladen wieder auf und freuen uns über alle, die dabei helfen wollen, sowie über alle, die weiter im Ula mitarbeiten und diesen Raum nachbarschaftlich mitgestalten.
Des Weiteren laden wir am Donnerstag dem 11.06 um 18 Uhr zu leckerem essen von der Sternplatz Küfa, einer kleinen Kundgebung und Nachbarschaftlichen Gesprächen auf dem Sternplatz ein. Kommt gerne vorbei, wir freuen uns auf euch!

