Pressemitteilung des Leerstandsmelders Tübingen-Reutlingen vom 26.11.2012

Die Idee, mit einem „Leerstandsmelder“ ungenutzte Lücken im urbanen Umfeld auf einer Stadtkarte im Internet zu markieren und zu beschreiben, kommt aus dem Gängeviertel in Hamburg. Dort wurde dafür die Homepage www.leerstandsmelder.de ins Leben gerufen, der jetzt auch einen Ableger für Tübingen und Reutlingen hat. Leerstände können auf einer interaktiven Karte von allen NutzerInnen direkt und unkompliziert eingetragen werden. Dadurch entsteht nach und nach ein kollektiver und frei zugänglicher Daten- und Raumpool, unabhängig von städtischen Informationskanälen. Darüber hinaus können registrierte NutzerInnen des Leerstandsmelders Informationen zu den leerstehenden Gebäuden und Ideen zum konstruktiven Umgang mit ihnen austauschen.

Zum 33. Besetzungs-Jubiläum der Lu15 wird am Donnerstag den 29.11. um 21 Uhr in der Ludwigstr. 15 der Leerstandsmelder Tübingen-Reutlingen eingeweiht. Online ist er allerdings schon seit ein paar Tagen, die ersten Leerstände lassen sich schon bewundern. Am Freitag, den 30.11. um 17 Uhr wird es unter dem Motto „Leerstände melden – Leerstände nutzen!“ eine Kundgebung auf dem Marktplatz und einen Spaziergang zu verschiedenen Leerständen in der Tübinger Innenstadt geben. Zu beiden Terminen sind alle Tübingerinnen und Reutlingerinnen herzlich eingeladen.

„Nicht zu vermieten“ war am 13. Oktober im Tagblatt zu lesen. Es ging um die Gartenstrasse 7 und andere leerstehende Gebäude. In Tübingen stehen einige Flächen leer – ob alt oder neu, ob Wohn- oder Gewerberäume, ob zentral oder ausserhalb gelegen, ob privat oder in städtischer Hand. Wieviele Gebäude und Wohnungen genau leerstehen, ist schwierig zu ermitten, denn einen Überblick darüber gibt es nicht. Allem Anschein nach stehen mindestens 30 Gebäude in Tübingen und Umgebung schon länger leer. Und das, während es in Tübingen sehr schwer ist, bezahlbare Wohnungen oder Arbeitsräume zu finden und junge Menschen und Familien unter akutem Wohnraummangel leiden. Auch müssen wegen der doppelten Abitursjahrgängen, die gerade ihr Studium beginnen, um einiges mehr Studenten untergebracht werden. In Tübingen findet soziale Verdrängung statt, häufig als Gentrifikation bezeichnet. So sind die Mieten im Landkreis Tübingen zwischen 2007 und 2011 um 9,3 % gestiegen (vgl. Rettike, 13. Okt im TT), ein weiteres Ansteigen der Mietpreise ist abzusehen.

Die Gründe für Leerstand sind vielfältig und teilweise tiefst paradox. Der Artikel im Tagblatt vom 13. Oktober berichtete von einer älteren Frau, die anscheinend weder den Wohnraum noch die Mieteinnahmen wirklich benötigt. Schade, dass sie damit die Möglichkeit verpasst, zum Beispiel einigen jungen Familien ein zu Hause am Neckar zu bieten und dabei noch Geld zu verdienen. Bürgermeister Palmer wurde „wüst beschimpft“, als er sich um die Nutzung des Gebäudes erkundigen wollte. Leerstand wird zur Privatsache gemacht, was er allerdings nicht ist. Alle Menschen haben das Recht auf bezahlbaren Wohnraum.

Wohnraum steht oft leer, weil er modernen Standards nicht gerecht wird und somit keine hohen Mieten einbringt, oder weil er aufgrund von Baumängeln in der Tat nicht bewohnbar ist. So warten viele Gebäude in Tübingen und Reutlingen auf Sanierungen, die seit Jahren nicht stattfinden, obwohl sie in ein paar Arbeitstagen grundsätzlich bewohnbar gemacht werden könnten. Trotz vieler Gründe hat das Problem einen Namen: Leerstand.

Die Häuser denen, die sie brauchen!

Bernd Beretta vom Leerstandsmelder Tübingen-Reutlingen sagt im Interview:

„Weil junge Leute und junge Familien nicht die Möglichkeit haben, sich frei auszuleben und schön zu wohnen. Und nebendran stehen ganze Gebäude leer, weil sich niemand so richtig drum kümmert. Und genau das wollen wir ja machen: uns mit Herz, Hand und Verstand um die Häuser kümmern. Das Vier-Häuser-Projekt ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie aus halb leer stehenden Kasernengebäuden ein wunderschöner Lebensraum für Kinder und Erwachsene werden kann.“

„Häufig wird so getan, als sei es Privatsache, Gebäude einfach leer stehen zu lassen. Steuerrechtlich können Vermieter den Leerstand sogar noch als Verlust absetzen. Das muss sich ändern. Im Grunde müsste es eine Steuer auf leerstehende Gebäude geben, damit sich deren Nutzung eher lohnt. Wir alle haben ein Recht auf Stadt! Leider bestimmt allzuoft der Umfang des Geldbeutels über den Zugang zu Wohnungen und Arbeitsräumen.“

„Aus vielen leerstehenden Gebäuden könnte mit etwas Engagement und fairen Finanzierungskonzepten günstige Wohnungen oder Arbeitsräume entstehen. Wir wollen Diskussionen anstoßen und Informationen teilen. Zu einzelnen Gebäuden, aber auch zum generellen Umgang mit Leerständen in Tübingen und Reutlingen.“

„Wir machen das, damit Leerstände wieder genutzt werden. Es geht darum das Menschen die Lebensraum suchen, während Wohnraum leer steht und schlimmsten Falls auch noch vergammelt.“

leerstandsmelder.de
foto: caro

Solidarität mit der Zelle!!

Die Stadtverwaltung Reutlingen greift das selbstverwaltete Jugendzentrum in seiner Existenz an!
zelle plakat
Statement der Zelle:
Mit Hilfe des Gewerberechts versucht die Stadtverwaltung die Zelle in die Mangel zu nehmen. Wir sind aber weder eine Discothek noch eine Gaststätte und schon gar kein profitorientiertes Gewerbe!!!
Wir sind ein unkommerzielles, selbstverwaltetes Jugend- und Kulturzentrum, in welchem seit über 40 Jahren wichtige Jugend-, Kultur- und Bildungsarbeit organisiert und gelebt wird.

Wir sind nicht durch einen Verwaltungsakt der Stadt entstanden und werden auch auf keinen Fall durch einen solchen verschwinden!!!

Solidarität ist unsere Waffe!!!

Zeigt der Zelle eure Solidarität, beteiligt euch an Aktionen, startet eigene! Widerstand zeigen!

Wagenplatz Rhino in Freiburg bleibt!

Solidarität mit dem räumungsbedrohten Wagenplatz -Kommanda Rhino-

Seit fast 2 Jahren wird das M1-Gelände im Freiburger Stadtviertel Vauban von den Bewohner_innen und Unterstützer_innen des Wagenplatz „Kommando Rhino“ besetzt.
Es ist ein selbstverwalteter Raum mit ca. 30 Wägen und ihren Bewohner_innen, ein Café und Räume für Infoveranstaltungen, Konzerte und Ausstellungen entstanden.
Während sich der Stadtteilverein Vabaun mit dem Wagenplatz solidarisiert und, wie das Wagenkollektiv „Kommando Rhino“, eine Beteiligung der (An)Wohner_innen an der Planung der Eingangsfläche des Viertels fordert, will die Stadtverwaltung das Gelände an die Stadtbau GmbH verkaufen. Es soll als Infopark für die Expo in Shanghai genutzt und schließlich mit Eigentumswohnungen und Hotels bebaut werden.
Generell solle es auf städtischem Gelände keine weiteren Wagenplätze mehr geben.
Dem Wagenplatz, als alternative Wohnform, selbstverwalteter Raum und Vernetzungspunkt im Viertel, droht die polizeiliche Räumung und die Beschlagnahmung der Wägen.

Wir solidarisieren uns mit dem räumungsbedrohten Wagenplatz „Kommando Rhino“ und unterstützen den „Kampf um ein Ersatzgelände, Freiräume und die Legalisierung unserer Wohnform“ (aus dem Aufruf der Rhinos).
Durch die Besetzung des Geländes bringen die Bewohner_innen und Unterstützer_innen das „Recht auf Stadt“, alternative Wohn- und Lebensformen und autonome Räume in die Auseinandersetzung um Stadtentwicklung ein.
Statt kapitalistischer Stadtumstrukturierung und anonymisiertem Wohnen wünschen wir uns viele politische Wohn-, Kunst-, Kultur- und Wagenkollektive.

Solidarität mit dem Wagenplatz „Komando Rhino“!

Unterzeichner_innen:

Wohnprojekt Hegel 7
Wohnprojekt Lu15
Infoladen Tübingen
Wohnprojekt Schellingstraße (AK PuK)
Kulturschock Zelle
Wagenburg Kuntabunt
Wagenburg Bambule
Libertäre Que(e)rulant*innen